Cyanotypien – Ausstellung 2018

Jürgen Häffner
Poetische Umschreibungen des Unscheinbaren 

CYANOTYPIEN – Eröffnung am 30. November 2018 um 19:30 Uhr im K2acht, Weststr. 28
Einführung: Natalie Walz, MA. Ausstellungsdauer: 30.11.2018. – 28.02.2019 während der Öffnungszeiten des K2acht 

Die Fotografie ist seit Anbeginn ihrer Erfindung ein Instrument der Wahrnehmung, sie ist die Dokumentation eines Menschen von seiner Umwelt. Eine spannende Mischung aus digitaler und analoger Fotografie zeigt der Heilbronner Fotograf Jürgen Häffner in dieser Ausstellung.

Die nachfolgenden Bilder aus der Ausstellung „Cyanotypien“ könne käuflich erworben werden.
Der Erlös geht zu 100% an den Kinderschutzbund Heilbronn.

Bilder Kategorie 1, Grösse 10×15 cm, mit Rahmen, 75 Euro
Bilder Kategorie 2, Grösse 20×30 cm, mit Rahmen, 100 Euro
Bilder Kategorie 3, Grösse 30×40 cm, mit Rahmen, 150 Euro

Bitte kontaktieren Sie mich bei Kaufinteresse unter info@juergen-haeffner.de oder mobil +49 175 490 39 66

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Bild 10×15 cm – mit Rahmen – 75 Euro

Bild 20x30cm – mit Rahmen – 100 Euro

Bild 30x40cm – mit Rahmen – 150 Euro

Jürgen Häffner
Poetische Umschreibungen des Unscheinbaren 

Die Fotografie ist seit Anbeginn ihrer Erfindung ein Instrument der Wahrnehmung, sie ist die Dokumentation eines Menschen von seiner Umwelt. Eine spannende Mischung aus digitaler und analoger Fotografie zeigt der Heilbronner Fotograf Jürgen Häffner.
Bis vor rund 30 Jahren lebten wir alle noch in einer analogen Welt. In dieser Welt hat Jürgen Häffner seine Leidenschaft für die Fotografie entdeckt und stetig weiterentwickelt. Man reiste mit einem Beutel voll 36er Filme in die Welt und überlegte ganz genau, was und wie man ein bestimmtes Motiv festhielt. Schnelles Abdrücken war nicht möglich, sondern schon allein aus Kostengründen musste jedes Foto genau überlegt sein, der Blick geschärft, das Motiv genau komponiert werden.
Analoge Fotografie ist ein typischer Prozess, der entschleunigt, auf das Wesentliche konzentrieren lässt. Das ist nicht nur ein Klick, der gleich in den sozialen Medien geteilt werden kann, sondern es ist ein Prozess. Jürgen Häffner zeigt uns hierbei eine spannende Verbindung von digital und analog. Er produziert mit seinen Cyanotypien Fotografien, die außerhalb des Smartphones entstanden sind, nicht geteilt werden können – denn jede ist ein Unikat.
Es bedarf viel Erfahrung und viel des Experimentierens , um Ergebnisse, wie diese kleinen Kunstwerke der Ausstellung entstehen zu lassen. Häffner feiert keine Gegenstände aus Nostalgie, er schafft eher aus seinem Repertoire der Wahrnehmung heraus und entwickelt dabei subtile Lichtkompositionen. 

Wie entstehen diese Arbeiten? Was ist eine Cyanotypie und woher kommt dieses Verfahren?
Das Cyanotypie-Verfahren wurde im Jahre 1842 von dem Astronomen Sir John Herschel entwickelt. Es ist das dritte Verfahren in der Geschichte für die Herstellung von stabilen Bildern. Die Vorgängerverfahren waren die Daguerreotypie und die Talbotypie. Bei der von Häffner verwendeten Cyanotypie handelt es sich um eines der ältesten und einfachsten fotografischen Kopieverfahren. Das Verfahren kommt dabei ohne Dunkelkammer und technische Geräte aus, es beruht auf Eisen und nicht, wie bei der herkömmlichen Entwicklung, auf Silber.
Bekannt wurde das Verfahren durch die britische Naturwissenschaftlerin Anna Atkins. Sie dokumentierte Pflanzen wie z.B. Farne mittels Cyanotypien für ihre Publikationen.
Wie funktioniert das Ganze? Das Trägermaterial – in Häffners Fall meinst Aquarellpapier – wird mit der Cyanotypie-Lösung, bestehend aus Eisenammoniumzitrat und Blutlaugensalz, beschichtet. Der Fachbegriff für Blutlaugensalz ist Kaliumhexacynaoferrat, der Stoff, von dem sich dann auch die Bezeichnung Cyanotypie ableiten lässt.
Häffner nimmt zum Bestreichen seines Papiers einen breiten Pinsel. Wie bei den abschließenden Arbeiten sichtbar, lässt er dessen Duktus zum Bildrand ausdiffundieren, so dass sich später unruhigere Abschlüsse ergeben. Anschließend muss dieses vorbereitete Material gut trocknen.
Und das Motiv? Das entsteht spannender Weise mittels der Digitalfotografie. Das spätere Entwicklungsverfahren gibt vor, dass das Foto möglichst kontrastreich sein muss. Diese Vorgabe spielt der Leidenschaft Jürgen Häffners für kalte Temperaturen, Schnee und die ruhigen Landschaften unserer Erde, wie Skandinaviens und Islands entgegen. So heben sich laublose Bäume perfekt im hellen, strukturlosen Schnee ab und ergeben so später die zarten Liniengeflechte auf der Oberfläche.
Das meist farbige Original wird dann digital in Schwarz-Weiß umgewandelt und davon fertigt er anschließend ein Negativ an, das auf Overheadfolie übertragen wird. Somit bestimmt die Bildgröße des Negativs auch später die Cyanotypie, denn Vergrößerungen gibt es im Kontaktverfahren nicht.
Schließlich muss mit UV-Licht belichtet werden. Die Belichtungszeit bei Sonnenschein liegt etwa zwischen 20 und 60 Minuten. Bei künstlichem Licht (z.B. einem Gesichtsbräuner) dauert es nur etwa 5-20 Minuten. Die Eisensalze sind UV-Lichtempfindlich und durch die Belichtung verfärben sich die behandelten Stellen. Das anschließende Spülen mit dem Oxidationsbad und kalten Wasser bricht den Belichtungsprozess ab. Durch Oxidation bekommt das Bild einen bläulichen Ton. Der Entwicklungsvorgang ist beendet, wenn keine blaue Farbe mehr wegfließt und der ursprünglich grün-/gelbliche Ton komplett aus dem Bild verschwunden ist.
Wir wären nicht in einer Ausstellung mit Arbeiten Jürgen Häffners, wenn er an dieser Stelle Schluss machen würde mit dem Verfahren. Viele der hier ausgestellten Arbeiten waren tatsächlich in diesem typischen Blau der Cyanotypie fertiggestellt. Doch dann erst beginnt der typische Häffner. Es wird experimentiert, eingefärbt und verändert, bis sein Ergebnis steht.
Die Mittel der Wahl sind recht unorthodox, wer ihn kennt, wundert sich nicht, denn viele der Arbeiten sind dann mit Kaffee oder Teesud erneut einem Färbevorgang ausgesetzt worden. Dadurch entstehen spannende Farbnuancen und Verschleifungen der Motive.
Mit seinen digitalen Fotografien und dem alten analogen Kontaktverfahren schafft Jürgen Häffner es, poetische Umschreibungen des Unscheinbaren herzustellen. Das bildnerische Mittel eines engen Bildausschnitts, hebt einzelne Motive wie architektonische Objekte und Gebäude bis zur Unkenntlichkeit hervor. Kein Ort, keine Landschaft ist zurückzuführen. 

Seine Unikat-Fotoabzug erhalten geradezu etwas Zeichnerisches, Leichtes und Unbestimmtes: Liniengeflechte, Muster, Schattierungen entstehen, die keine Abbildhaftigkeit mehr vom ursprünglichen Motiv transportieren sollen. Fast schon einer Handzeichnung gleich, entstehen so Strukturräume von der Oper in Oslo oder aus einem Knäuel von Bojen.
In seinen Fotografien isoliert Jürgen Häffner viele (Alltags-)Dinge aus ihrem Umfeld, konzentriert sich auf Strukturen und Hell-Dunkel-Verläufe sowie die Komposition der Dinge in seinem Bildfeld.
Da sind Pferde am Irischen Stand: Sie erinnern an die berühmten Bilder von Muybridges Werk Animal Locomotion. Schatten ihrer selbst und doch im Bildraum verankert. Hintereinander galoppierende Schatten, die Bewegung und Dynamik mit geringsten Mitteln entstehen lassen. Gleich den frühen Fotografen, aber auch den Werken der Futuristen, die die beginnende Schnelllebigkeit zu Beginn des letzten Jahrhunderts mit solchen Motiven dokumentiert haben, ergibt sich ein spannungsvolle Oberfläche, bei der die Form zunehmend an Bedeutung verlieren.
Daneben subtile Abbilder von Bäumen, die zu schmalen Liniengeflechten auf der bestrichenen Oberfläche reduziert sind, schwebend auf der Oberfläche, so dass fast schon eine Abstraktion entsteht. Dann wieder kräftige Strukturen und Lineaturen bei den Cyanotypien von Plakate mit Figuren. Das sind kleine, feien Arbeiten, die fast schon an Hochdruckverfahren mit Holz ,o.ä. Materialien erinnern.
Ketten und Seile, die in ihren Windungen und Schlingungen Tiefenräumlichkeiten freigeben und dann doch wieder in der Zweidimensionalität einfach ein subtiles Schwarz-Weiß oder Hell-Dunkel ergeben, bestimmen einen Zyklus von Motiven, ebenso wie Augenpaare Skulpturen, Hände oder einfach Schatten an der Wand, beim Warten in einer Schlange. 

Durch das Verfahren und die Bildauswahl entsteht im Werk von Jürgen Häffner so ein ganz besonderer Zauber der Fotografie. 

Natalie Walz, MA.